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Am 27. Januar 2025 gedenken wir dem 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Dieser Tag ist dem Gedenken an die Genozide und der Prävention von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewidmet. Parallel zur Vernichtung von Millionen Menschenleben unter dem Nazi-Regime zielte die Rassenpolitik darauf ab, eine „nordische Superrasse“ zu erschaffen. Die Lebensborn-Heime waren eine der düstersten Ausprägungen dieser Ideologie.

Heute ein bekanntes Freizeitzentrum in der Provinz Lüttich, ist es schwer vorstellbar, welches düstere Kapitel in der Geschichte das Domaine de Wégimont durchlebt hat. ©Domaine provincial de Wégimont

Hinter diesem poetischen Begriff „Quelle des Lebens“ verbirgt sich das Projekt, bis 1980 eine Generation von 120 Millionen Ariern zu schaffen. Himmler richtete ein Netzwerk von Entbindungsheimen ein, um schwangere Frauen aufzunehmen oder sie zu ermutigen, Kinder mit SS-Angehörigen zu zeugen. 

Bei ihrer Geburt wurden diejenigen, die bestimmte Kriterien (blondes Haar, blaue Augen, Wachsamkeit, ...) nicht erfüllten, einer „gnädigen Desinfektion“ unterzogen – ein beschönigender Code für Euthanasie.

Die Deutschen errichteten mehrere Lebensborn-Heime in Regionen, in denen sie Menschen fanden, die ihren Kriterien entsprachen. Diese entstanden vor allem in Nordeuropa, aber auch in Belgien: in Wolvertem in Flandern und in unserer Provinz, im Domaine provincial de Wégimont.

Wégimont, die Entbindungsanstalt der Ardennen

Das Schloss, dessen älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen, wurde 1938 zu einem Freizeit- und Erholungszentrum. Es wurde 1940 von der deutschen Armee beschlagnahmt. Die Infrastruktur und die grüne Umgebung machten es zu einem idealen Standort für eine Nazi-Entbindungsanstalt: Die Babys sollten in einer außergewöhnlich gesunden Umgebung geboren werden, um ihre kräftige Natur zu stärken. 

1943 öffnete die „Heim Ardennen“, oder „Entbindungsanstalt der Ardennen“, ihre Türen, mit einer ersten Geburt am 20. März. Im Gegensatz zu anderen Lebensborn-Heimen beschäftigte Wégimont teilweise belgisches Personal. Diese Besonderheit bereitete den Verantwortlichen Probleme; deutsche Dokumente sind voller Beschwerden über den „schlechten Willen“ des belgischen Personals, das beschuldigt wurde, das Projekt zu sabotieren. Dieses belgische Heim scheint den Nazis daher nie vollständig Zufriedenheit gebracht zu haben.

Da das Anwesen an den Kreuzungspunkten von Routen zwischen Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden lag, konnte es Frauen aus verschiedenen Ländern aufnehmen. Einige gebaren dort heimlich, nachdem sie von ihrer Gemeinschaft wegen einer Beziehung zu einem Deutschen verstoßen worden waren. Andere unterstützten das Projekt voll und ganz. Während ihres Aufenthalts erhielten alle Frauen eine praktische und ideologische Schulung.

Diese Organisation ersetzte auch religiöse Traditionen durch nationalsozialistische Rituale. Beispielsweise wurde die Taufe durch eine Zeremonie ersetzt, bei der ein SS-Offizier ein Dolch über die Stirn jedes Babys hielt, während er eine Rede zum Ruhm des Nationalsozialismus vor einem Porträt Adolf Hitlers hielt. Die Indoktrinierung begann somit von Geburt an und setzte sich im Tod fort. Abbé Collard, Pfarrer von Ayeneux und Vikar in Soumagne während des Krieges, berichtete, dass er an der Beerdigung eines Kindes teilnahm, bei der eine Trauerrede das Reich verherrlichte und den Verlust eines zukünftigen Soldaten bedauerte.

Nach dem Krieg: Die Suche nach der Wahrheit

Im September 1944 befreiten die Alliierten Belgien und fanden das Domaine de Wégimont leer vor: Die Bewohner waren nach Deutschland gebracht worden. Den Lebensweg der in diesen Entbindungsheimen geborenen Kinder zu verfolgen, war nahezu unmöglich; die meisten fanden ihre leiblichen Eltern nie wieder. Sie wurden nach dem Krieg sozialen Diensten anvertraut, in Waisenhäusern oder Pflegefamilien untergebracht. Die Kinder der Lebensborn gehören heute zu den wenigen Opfergruppen des Zweiten Weltkriegs, deren Leid von Deutschland nicht anerkannt wurde. Mit diesem Artikel möchten wir ihnen Tribut zollen.

Wir schließen mit einem Zitat von Caroline De Mulder, der Autorin des Romans „La pouponnière d’Himmler“:

"Dieses absolute Böse wurde nicht nur von Monstern begangen, die es natürlich auch gab, sondern von gewöhnlichen Menschen wie Sie und ich. Das konfrontiert uns mit der Frage: Und wir? Was hätten wir unter ähnlichen Umständen getan?"

 

Céline Dallemagne